Chronik des FWSV

Entstehung und Aufbau des Fachverbandes Wasser- und Schifffahrtsverwaltung e. V. im dbb - beamtenbund und tarifunion

Der dbb blickt bereits auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück, unterbrochen durch die Zwangsherrschaft der NSDAP, die alle Gewerkschaften gleichschaltete!

Über den Neustart nach dem II. Weltkrieg, der nach langen und schwierigen Verhandlungen mit der damaligen Militärregierung zum Zusammenschluss der Beamten zunächst in einzelnen Ländern und schließlich zum Deutschen Beamtenbund - Gewerkschaftsbund der Berufsbeamten - in der Bundesrepublik Deutschland führte, gibt die Chronik dbb - beamtenbund und tarifunion, herausgegeben in zahlreichen Festschriften des dbb, eingehend Auskunft.

Wie begann nun eigentlich alles mit dem FWSV?

Am 19. Mai 1948 hatte die damalige Militärregierung die Genehmigung für den Aufbau eines Beamtenbundes in Nordrhein-Westfalen erteilt. In Köln fand daher am 14.August 1948 die Gründungsversammlung statt.

Auch unter den Kolleginnen und Kollegen der damaligen Wasserstraßenverwaltung zeigte sich ein reges Interesse an einem Zusammenschluss. Es ist ein besonderes Verdienst des damaligen Präsidenten, dem Direktor der Wasserstraßendirektion Münster/Westfalen, Herrn Hilfer, dass er sich persönlich für diese Bestrebungen einsetzte und den Kollegen Regierungsbaurat Scheller veranlasste, die vorbereitenden Schritte einzuleiten, die zunächst auf das Land Nordrhein-Westfalen beschränkt bleiben mussten.

Da ein Anschluss an die bereits gegründete Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter nach deren Satzung nicht zulässig war, eine andere einschlägige Reichsverwaltung nicht bestand, blieb nur die Gründung eines eigenen Fachverbandes im Rahmen des Landesverbandes übrig.

Auf eine dahin zielende Anfrage beim Landesverband erklärte sich dieser mit Datum vom 25. November 1948 mit der Gründung des Fachverbandes „Wasserstraßenverwaltung“ als Unterabteilung des Landesverbandes einverstanden und betraute den Kollegen Scheller mit der vorläufigen Führung dieses Fachverbandes.

Dieser Tag, also der 25. November 1948, ist somit als Gründungstag unseres „Fachverbandes Wasser- und Schifffahrtsverwaltung“ anzusehen!

Seine Tätigkeit musste sich zunächst auf die beiden Direktionen Münster und Duisburg-Ruhrort, den Bundesschleppbetrieb und die ihnen unterstellten Ortsämter und Dienststellen beschränken. Als Mitglieder hatten sich bis Ende 1948 bereits etwa 200 Kolleginnen und Kollegen gemeldet.

Mit der Gründung und Lizensierung der Gewerkschaft Deutscher Beamtenbund für die gesamte britische Zone im Frühjahr 1949 war dem Fachverband die Möglichkeit gegeben, die Kolleginnen und Kollegen der gesamten britischen Zone anzusprechen. Es wurde die Verbindung aufgenommen mit: den Direktionen im nordischen Raum, der Forschungsanstalt für Gewässerkunde in Windelsbleiche, der Verwaltung in Offenbach und weiteren Dienststellen mit dem Ziel, durch die Bildung örtlicher Zusammenschlüsse einen zu gegebener Zeit das ganze Bundesgebiet umfassenden Fachverband zu bilden. In der Folgezeit schlossen sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen bzw. in einzelnen Landesverbänden gebildete Ortsgruppen dem Fachverband an.

Nachdem im Herbst 1949 auf einer Bundesvorstandssitzung des dbb gemeinsam mit Vertretern aus dem süddeutschen Raum beschlossen worden war, die Gewerkschaft Deutscher Beamtenbund auf das gesamte Bundesgebiet und Berlin auszudehnen, löste der Fachverband sein Verhältnis als Unterabteilung des Landesverbandes und trat als selbständiges Mitglied dem Deutschen Beamtenbund bei. Nunmehr stand der Fachverband auch den Kolleginnen und Kollegen der ehemaligen amerikanisch und französisch besetzten Zonen offen, der Aufbau der Organisation konnte entsprechend dem Wachsen der Mitgliederzahl im ganzen Bundesgebiet durchgeführt werden.

Die Geschäftsleitung des Fachverbandes erfolgte zunächst entsprechend der Satzung des Hauptverbandes. Mit seiner zunehmenden Ausdehnung über das gesamte Bundesgebiet erwies es sich schließlich als unerlässlich, eine eigene Satzung aufzustellen. Auf der Vertreterversammlung am 30. April 1952 in Münster wurde daher der Beschluss gefasst, eine eigene Satzung für den Fachverband auszuarbeiten. Am 25. Mai 1953 wurde auf einer weiteren Vertreterversammlung die mehrmals überarbeitete Satzung abschließend beraten und angenommen. Auf der gleichen Versammlung wurde der Name des Fachverbandes der neuen Bezeichnung unserer Verwaltung angepasst und lautete von da ab: „Deutscher Beamtenbund (Gewerkschaftsbund der Berufsbeamten) - Fachverband Wasser- und Schifffahrtsverwaltung“ -. Am 29. Juli 1954 erfolgte unter dieser Bezeichnung satzungsgemäß die Eintragung in das Vereinsregister Münster.

Die Mitgliederzahl stieg in den ersten 10 Jahren auf mehr als 1400 rasant an. Dies zeigte, wie wichtig eine gewerkschaftliche Vertretung in einer öffentlichen Verwaltung ist.

Die Organisation des Fachverbandes wurde den besonderen Verhältnissen und Bedürfnissen unserer Verwaltung und insbesondere der starken Streuung in kleine und kleinste Gruppen stetig angepasst. Die untersten Gremien waren die Ortsgruppen, deren Bereiche sich im Allgemeinen mit dem Bereich eines Wasser- und Schifffahrtsamtes o.dgl. deckten. Die Ortsvorstände bestanden aus dem Ortsvorsitzenden sowie bei Bedarf dem Schriftführer, der Ortsfrauenvertreterin und einem weiteren Mitglied mit Sonderaufgaben. Der Ortsvorstand wurde von der Mitgliederversammlung gewählt.

Die Ortsvorsitzenden traten zum Bezirksvertretertag zusammen und wählten ihren Bezirksvorstand, wobei sich der jeweilige Bereich im Allgemeinen mit dem Bereich einer Wasser- und Schifffahrtsdirektion deckte. Der Bezirksvorstand bestand aus dem Bezirksvorsitzenden, dem Schriftführer, dem Kassenführer sowie ggf. der Bezirksfrauenvertreterin und bei Bedarf einem Mitglied mit Sonderaufgaben.

Die Bezirksvorsitzenden traten zum Bundesvertretertag zusammen. Der Bundesvertretertag war das höchste Organ des Fachverbandes, das die allgemeinen Richtlinien der Verbandspolitik bestimmte. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Wahl des Bundesvorstandes, dem wiederum die Erledigung der laufenden Geschäfte und die Durchführung der Beschlüsse des Bundesvertretertages oblag. Dem Bundesvorstand, bestehend aus dem Bundesvorsitzenden, dem 1. Vertreter, dem 2. Vertreter und Schriftführer, dem 3. Vertreter, dem Kassenführer und der Bundesfrauenvertreterin standen Fachgruppen zur Bearbeitung von Sonderfragen zur Seite.

Im Bundesvorstand waren und sind als Bundesvorsitzende seit der Gründung des Fachverbandes tätig:

Regierungsbaurat Scheller seit Gründung bis November 1959
Reg. und Baurat Dr.-Ing. Baus von November 1959 bis Oktober 1969
Reg. Oberbauamtsrat Berlage von Oktober 1969 bis November 1972
Reg. Oberbauamtsrat Meyer von November 1972 bis Dezember 1980
Präs. d. Oberprüfungsamtes Klaus Neven vom Dezember 1980 bis Dezember1993
Regierungsamtsrat Franz-Josef Mödden vom 01. Januar 1994 bis 29. Januar 2003
Regierungsoberamtsrat Torsten Müller vom 29. Januar 2003 bis 22. September 2014
Regierungsamtmann Egon Höfling seit 22. September 2014

Mit dem Wechsel der Vorsitzenden folgte auch ein mehrmaliger Wechsel des Verbandssitzes.

So wurde 1972 der Verbandssitz von Münster nach Stuttgart und 1977 von Stuttgart nach Mainz verlegt, seit 1994 befindet sich der Verbandssitz in Aurich.

Der personellen Entwicklung in der WSV Rechnung tragend, öffnete sich der FWSV als Interessenvertretung auch gegenüber Angestellten und Arbeitern, den heutigen Tarifbeschäftigten. Seitdem ist auch hier ein stetiger Mitgliederzuwachs zu verzeichnen.

Die Gewerkschaftstage von DBB und DBB Tarifunion vereinbarten am 12. November 2012 die Verschmelzung beider Organisationen, um die gewerkschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder effizienter und schlagkräftiger zu vertreten. Mit der Verschmelzung ist der DBB selbst Tarifpartner und kann Tarifverhandlungen auch direkt führen. Der DBB -Beamtenbund und Tarifunion- vertritt aktuell ca. 360.000 Tarifbeschäftigte.

Wie zeigt sich der FWSV aktuell?

Im Jahre 2017 fanden grundlegende Veränderungen des FWSV statt. Auf dem Bundesvertretertag am 14. März d. J. wurden beschlossen:

Die Auflösung der bisherigen Orts- und Bezirksgruppen, an ihre Stelle traten 11 neue Regionalverbände, in Anlehnung an die neuen Direktions- und Amtsstrukturen der WSV und die neu entstandene Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV).

Mit dieser neuen Organisationsform trugen wir den Veränderungen in unserer Verwaltung sowie den demografischen Veränderungen in unserer Mitgliederstruktur Rechnung.

Der Bundesvorstand übernahm von den bisherigen Bezirksgruppen alle administrativen Aufgaben, wie z. B. die Mitgliederpflege, Beitragseinzug, Öffentlichkeitsarbeit etc. Dies erforderte auch die Veränderung des Bundesvorstandes. Er besteht heute aus dem Bundesvorsitzenden, zwei Stellvertretern, einschließlich Kassenführer, einem Justitiar, einer Schriftführerin und einem Vertreter für Tarifbeschäftigte.

Die örtliche Betreuung unserer Mitglieder ist durch die Beibehaltung von Ansprechpartnern in der Region, den 11 Vertretern der Regionalverbände, sichergestellt.

Neu eingerichtet wurde der Gewerkschaftstag, der jetzt das höchste Beschlussorgan darstellt und den Bundesvertretertag ersetzt.

Es wurde auf dem Bundesvertretertag in Hannover auch der Name des Fachverbandes der neuen Bezeichnung unserer Verwaltung angepasst. Er lautet seitdem:

„Fachverband Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung“

Am 4. Mai 2017 erfolgte unter dieser Bezeichnung satzungsgemäß die Eintragung in das Vereinsregister Aurich.